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Die Projektgruppe Alt werden – jung bleiben im Kiez“ ist eine unabhängige Initiative von interessierten Kiezbewohner/innen, die im Dreigroschenverein angesiedelt ist. Der Dreigroschen-Verein stellt eine Plattform dar, für Aktionen und Projekte im Kiez. Auszug aus der Satzung des Vereins: „Zweck des Vereins ist der Aufbau und die Pflege solidarischer Strukturen im Stadtteil, die Förderung generationsübergreifenden, nachbarschaftlichen, interkulturellen und selbst bestimmten Zusammenlebens im Wohnquartier und die Rückeroberung des öffentlichen Raumes für die Bewohner.“ Sitz des Dreigroschen Vereins: Willibald-Alexis-Strasse 6 10965 Berlin Telefon: 030 814 92 504 Fax: 030 698 16 359 e-mail: kontakt(at)dreigroschen-verein.de Web: www.dreigroschen-verein.de
1. Selbstverständnis Die Mitglieder der Initiative „Alt werden – jung bleiben im Kiez“ verbindet die Vision von einem lebenswerten, lebendigen, generationsübergreifenden, solidarischen Älterwerden im Kiez. Die Gruppe setzt sich zusammen aus Personen die überwiegend seit mehreren Jahren und zum Teil Jahrzehnten im Umfeld des Chamisso- bzw. Marheinekeplatzes wohnen und arbeiten. Die soziale Entwicklung im Bezirk, wobei die Wohnquartiere in der Bergmannstrasse und um den Chamisso- und Marheinekeplatz, aktuell eine „sozioökonomische Aufwertung“, erfahren, betrachten wir sehr aufmerksam und differenziert
Die Fragen und Befürchtungen, die sich durch die Veränderungen zwangsläufig ergeben, nehmen wir als Herausforderung an, gesellschaftspolitisch Position zu beziehen.
Für uns bedeutet nämlich die Aufwertung des Kiezes nicht ausschließlich einen besseren Platz im Sozial-Atlas, sondern die Stärkung eines lebendigen Gemeinwesens durch solidarische Strukturen und das Verknüpfen von sozialen Netzwerken und Initiativen, die der Vereinzelung der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger entgegenwirken. Unsere Befürchtung jedoch ist, dass in unserer Wohngegend immer mehr Bewohner/innen verdrängt werden, nicht mithalten können mit steigenden Mieten, teureren Einkaufsmöglichkeiten und dem immer einseitiger werdenden Angebot von auf Touristen fokussierten Restaurants und Bars. Die politische Vergangenheit dieses Kiezes ist geprägt durch Häuser-Instandbesetzungen gegen Spekulation und Leerstand in den frühen 80ern und darauf folgend durch eine flächendeckende behutsame Sanierung der denkmalgeschützten Altbauten unter Mietermitbestimmung. Unser Ehrenvorsitzender Werner Orlowsky war der damalige Kreuzberger Baustadtrat und hat diese bürgernahe Sanierung mit Modellcharakter für die Internationale Bauausstellung Berlin 1987 politisch durchgesetzt. Durch diese Mieter orientierte Sanierung entstand unter den Bewohnern eine starke Identifizierung mit ihrem Kiez und Strukturen und Zusammenhalt untereinander, der bis heute anhält. In dieser Tradition setzen wir uns ein für Lebensbedingungen, die allen sozialen Schichten und Herkunfts-Kulturen weiterhin Platz bieten und ein generationsübergreifendes, solidarisches Zusammenleben in unserem Kiez ermöglichen und fördern. Barrierefreiheit begreifen wir sowohl als bauliche, soziale und kulturelle Forderung und setzen uns in diesem Sinne für die Gestaltung des Chamissokiezes zu einem barrierearmen Modellbezirk ein. Wir sind politisch unterschiedlich geprägte, aktive Menschen, die sich den Herausforderungen eines so genannten Generationswandels stellen, sich kommunal einmischen und ihre Ideen und Vorstellungen für neue Lebensformen im Alter gemeinsam entwickeln und umsetzen wollen, gemäß dem Motto: „ Selbst bestimmt und autonom bis ins hohe Alter leben!“ Die Altersstruktur der Gruppe ist breit gefächert, von Anfang Vierzig bis Mitte Siebzig.
Bestandsaufnahme Allgemein ist festzustellen, dass die Frage zur Lebensqualität im Alter immer mehr die öffentliche Diskussion bestimmt. Begriffe wie „Demografischer Wandel“, „Generationsübergreifende Wohnformen“, „Soziale Netzwerke“ und „Nachbarschaftliches Engagement“ sind gesellschaftspolitische Themen unserer Zeit. Laut Tagesspiegel vom 12.8.2009 wird im Jahr 2030 jeder vierte Berliner älter als 65 Jahre sein – sechs Prozent mehr als heute. Noch drastischer steigt die Zahl der über 80-Jährigen: Fast doppelt so viele wie heute werden in etwa 20 Jahren in Berlin leben – nahezu 260.000 Menschen. (Statistische Angaben siehe Anhang)
3. Ziele und Perspektive Unsere Vision eines lebenswerten, barrierearmen, bezahlbaren, kommunikativen Wohnumfeldes für alle Altersgruppen wollen wir umsetzen im
Modellprojekt Chamissokiez
Wohnqualität ist Lebensqualität: Wir setzen uns ein für: - Seniorenfreundlicher Umbau von Erdgeschosswohnungen - Barrierefreiheit - Fahrstühle an Häusern - Mietbegrenzung – keine neuen Mietverträge bei altersbedingtem Umzug - im gleichen Haus - Bezahlbare Mieten (kein Ausverkauf an Investoren, Bestandsschutz für Altmieter)
Rückgewinnung des öffentlichen Raumes
- Tempo 30 im Kiez - Barrierefreiheit durch Absenkung der Bürgersteige - Aufzug U-Bahnhof Gneisenaustrasse - Umgestaltung des Marheinekeplatzes
Gemeinsames Leben gestalten - Aktivitäten teilen – Initiierung kultureller, politischer und sportlicher Aktivitäten
- Eröffnung eines Salons im Wasserturm von uns initiiert und organisiert, öffentliche Diskussionsrunden mit Referenten zur - - - Entwicklung der Sozialstruktur und Mieten im Wohnquartier - Angebote für bildungspolitische Seminare für jung und alt - Literatur-Abende - Boule- und Tischtennis (Gruppe besteht bereits) - wöchentliches walken in der Hasenheide (fester Termin) - Ausflüge ins Umland organisieren
Soziales Netzwerk aufbauen – Bürgerschaftliches Engagement stärken
- wir nutzen Räume im Wasserturm e.V. - wir kooperieren mit Wohnungsbaugesellschaften, Initiativen und Vereinen im Wohngebiet - wir wenden uns mit Vorschlägen und Forderungen an Bezirksverwaltung und politische Parteien - wir entwickeln Kontakte und Austausch zu Modellen, Projekten und Initiativen, die ähnliche Ziele verfolgen (Tauschringe, Bielefelder Modell, u.a.)
3.3. Perspektive
Mit der Umsetzung des Modell-Projektes Chamisso-Kiez zu einem barrierearmen, generationsübergreifenden, nachhaltigem Wohnfeld mit und für die AnwohnerInnen tragen wir zu einem zukunftsfähigen, tragfähigem Image für den Kiez bei. Damit wird ein alternatives Modell in der Stadt geschaffen, dass mit vielfältiger Sozialstruktur und einem solidarischem Netzwerk, bürgerschaftliches Engagement als Selbstverständnis lebt. Die Bereitstellung eines Bürgerhauses als Kommunikationszentrum für den Kiez ist das gemeinsame, angestrebte Ziel der Initiative „Alt werden – jung bleiben im Kiez“ und des Vereins Dreigroschen e.V.
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