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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
als langjährige Bewohnerinnen des Chamisso-Kiezes, die sich u.a. im „Dreigroschen e.V.“ engagieren, wenden wir uns an Sie.
Der Verein „Dreigroschen e.V.“ ist ein Zusammenschluss von aktiven Menschen, die Nachbarschaftsengagement zeigen und Kiezinitiativen unterstützen und nun – gebündelt im Verein - zur Förderung solidarischer Strukturen beitragen wollen.
Wir gehören der Projektgruppe „Älterwerden im Chamissokiez“ an, die nach Perspektiven für ein selbst bestimmtes Wohnen und lebenswertes Älterwerden im Kiez sucht, denn auch wir wollen im Alter hier leben, wohnen, feiern und den Kontakt zu den Nachbarn behalten.
Dass wir mit unseren Vorstellungen vom Älterwerden im Kiez nicht allein da stehen, hat uns das große Interesse vieler Anwohner beim diesjährigen Frühlingsfest am Chamissoplatz gezeigt. Eine Vielzahl von Besuchern stellt sich ähnliche Fragen und ist in Sorge über ein isoliertes Altwerden und eine anonyme Unterbringung im Heim.
Daher verfolgen wir mit großem Interesse die Entwicklung um das ehemaligen Richard-Weiß-Seniorenheimes in der Fidicinstraße.
Leider erleben wir dabei wie mühselig es ist, offizielle Informationen zu erhalten, bzw. diesen hinterher rennen zu müssen.
Nach unseren Recherchen ist im Rahmen einer Übertragungsvereinbarung zwischen dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der Unionhilfswerk Senioren-Einrichtung gGmbH, vereinbart, am Standort Fidicinstr. eine ausschließliche Pflegeeinrichtung mit ca 200 vollstationären Plätzen zu errichten.
Wir sind entsetzt über dieses Vorhaben und finden es unverständlich, dass Planung und Konzept für solch ein großes Projekt in unserem Kiez den Bürgern nicht öffentlich vorgestellt und diskutiert worden sind.
Anhand der schriftlichen Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 18.05.09 an die BVV zum Projekt Unionhilfswerk Fidicinstrasse konnten wir entnehmen, dass es keine Vorgaben gegeben hat, altersgerechtes Wohnen in den Komplex Fidicinstr. zu integrieren.
Die Begründung, dass integriertes altersgerechtes Wohnen aufgrund der Rahmenbedingungen nicht möglich sei, weil dort die benötigten Flächen nicht vorhanden wären, ist uns unverständlich und wir wollen diese Aussage – insbesondere da es sich um ein sehr großes Grundstück handelt, nicht kommentarlos hinnehmen. Welche Rahmenbedingungen sprechen wirklich dagegen?
Es gibt sowohl Deutschland weit, als auch in Berlin genügend Beispiele, wo auch bei sta-tionärem Aufenthalt ein altersgerechtes Wohnen möglich ist und bei Pflegebedürftigen eine Unterbringung mit wohngemeinschaftsartigen Gruppengrößen und ärztlicher Versor-gung im Heim (Berliner Modell) durchaus erfolgreich praktiziert wird.
Aktuell wird in der breiten Öffentlichkeit und kürzlich auch in den Medien (TV „Hart aber fair“) altersgerechtes Wohnen als ein wichtiges Thema behandelt, über das regelmäßig informiert wird.
Große Pflegeheime, wie das bei uns geplante, werden mehr als kritisch eingestuft, sowohl von Betroffenen als auch von den dort Beschäftigten.
Wir möchten die Lebensqualität von alten und kranken Menschen verbessern, d.h. wir wollen
Einblick in die Planung und nehmen es nicht geräuschlos hin, wenn ein Bezirk wie Kreuzberg die Möglichkeit zu zukunftsweisenden Altenwohnkonzepten zugunsten einer 70er-Jahre-Pflegegroßheimplanung vergibt.
Nach unserer Kenntnis ist die Baugenehmigung noch nicht erteilt, wir bitten Sie, dieses Vorhaben zu stoppen und eine transparente Planung durchzuführen.
Wir hoffen auf eine baldige Antwort und sind zu einem persönlichen Gespräch gern bereit.
Mit freundlichen Grüßen Ines Schröder-Sprenger
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